Zinsen und Hauspreise

19.05.2023

Ein wesentlicher Kanal der Zinspolitik der Zentralbanken läuft über den Immobilienmarkt. Höhere Zinsen, so die Theorie, sollten zu einem Rückgang der Hauspreise führen. Dieser sollte dann zu einem Rückgang der Investitionen führen. Wie sieht es aus?

Die Abbildung oben zeigt einen Immobilienpreisindex von Trading View. Das Jahr 2022 war das Jahr,  in dem die Zinserhöhungen der EZB begannen. Prompt sanken die Hauspreise. Einige Firmen kündigten an, im Jahr 2023 keine Immobilienprojekte mehr weiterzubauen. Dies verknappt natürlich das Angebot. Auch wenn Neubauten im Vergleich zum Bestand nur einen kleinen Teil ausmachen, sind diese doch von großer Bedeutung, denn diese Immobilien sind bezugsfertig, was für den Großteil des Bestands nicht gilt. So haben in den letzten Monaten die Immobilienpreise wieder leicht angezogen – und werden eventuell die Firmen davon überzeugen, den Bau von neuen Projekten dieses Jahr doch wieder aufzunehmen.

Auch bei den Wohnungsbaukrediten an private Haushalte insgesamt ist eine Trendwende zu erkennen Nachdem das Volumen stark abgestürzt war, geht es nun fast ebenso schnell wieder nach oben. Noch ist es ein bisschen früh für eine Vorhersage, ob der alte Trend wieder erreicht wird, aber es erscheint nicht unmöglich. Eine Rezession wird allgemein nicht erwartet, und bei steigenden Immobilienpreisen macht es Sinn, möglichst jetzt zu bauen und nicht später.

Dies sind schlechte Nachrichten für Zentralbanker, welcher der sog. „neukeynesianischen Theorie” anhängen. Nach der sollten steigende Zinsen zu einem Rückgang der Investitionen führen. Dadurch steigt die Arbeitslosigkeit, was zu weniger Lohnwachstum und weniger Preisauftrieb (aufgrund niedrigerer Nachfrage) führen würde. So sollen hohe Inflationsraten gestoppt werden. Die Inflation ist zwar seit einigen Monaten rückläufig, allerdings nicht aufgrund steigender Arbeitslosigkeit.

Im Endeffekt müssen aber die Theorien die Realität erklären. Wenn die Wirkungskanäle der Theorie in der Realität nicht existieren, muss eine neue Theorie gesucht werden. Andernfalls droht Wirtschaftspolitik auf der Basis von fehlgeleiteten Ansichten, die wahrscheinlich auch zu unerwünschten Nebeneffekten führen. Höhere Zinsen bedeuten bspw. höhere Kapitalkosten. Wenn Unternehmen diese höheren Kosten in Form von höheren Preise weitergeben, kann es sogar sein, dass höhere Zinsen zu höherer Inflation führen. Das kann aber nicht im Sinne der Zentralbanken sein.