Die Quantitätstheorie - was ist das?

05.12.2023

Die Quantitätstheorie des Geldes ist eine sehr alte Theorie. Auch wenn sie heute nicht mehr so häufig gebraucht wird, so hat sie doch ihre Anhänger. In diesem Artikel erkläre ich, was sie aussagt und wie diese Aussagen einzuschätzen sind.

Die Quantitätstheorie des Geldes lässt sich relativ einfach mit einer Formel beschreiben:

Geldmenge * Umlaufgeschwindigkeit = Preisniveau * Produktion

In Formelschreibweise wird dies zu:

M * V = P * Y

Die Geldmenge M multipliziert mit der Umlaufgeschwindigkeit des Geldes (Transaktionen pro Jahr) ergibt - oder kauft - also die Preise multipliziert mit der Produktion, was dem Bruttoinlandsprodukt (BIP) entspricht. Wird nun angenommen, dass in der kurzen Frist (innerhalb eines Jahres, bspw.) die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes und das BIP konstant sind, dann führt jede Veränderung von der Geldmenge M zu einer entsprechenden Veränderung des Preisniveaus P.

Mit diesen Annahmen bewegen wir uns allerdings weg von einer reinen mathematischen Definition, die immer „richtig“sein muss, hin zu einer „Erklärung“. Die Gleichung oben ist eine Definition, die keinem Naturgesetz entspricht, sondern einer „Idee“. Die Kaufkraft des Geldes, welches die Ausgaben eines Jahres bildet, muss dem Wert der damit gekauften Produktion entsprechen, welcher sich durch die Multiplikation von Preisen und Gütermengen ergibt. Letztlich basiert diese Aussagen auf der Idee, dass die monetären Ausgaben eines Jahres dem Wert des BIP entsprechen müssen.

Das allerdings ist ziemlich wenig spannend. Wenn ich für einen Euro etwas kaufe, was einen Euro wert ist, dann ist der Erkenntnisgewinn dieser Aussagen eher gering. Durch das Aufsummieren auf die gesamte Wirtschaft entsteht immer noch keine Spannung, erst die Aufteilung der Ausgaben in Geldmenge mal Umlaufgeschwindigkeit und der Produktion in Preise mal Produktion verkompliziert die Aussage in einer Weise, dass man zweimal hinschauen muss, bevor man die Gleichung verstanden hat.

Eine Kausalität ist dabei übrigens nicht unterstellt. Es geht hier rein um die Korrelation von Ausgaben und BIP. Um etwas zur Kausalität sagen zu können, müsste man Annahmen über das Verhalten treffen und die Realität genauer analysieren. Ist erst Geld da, bevor Unternehmen produzieren? Erhöht sich die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes, wenn das Güterangebot steigt? Sinken die Preise bei höherer Produktion, weil dann die durchschnittlichen Stückkosten aufgrund von steigenden Skalenerträgen fallen? 

Alle diese Fragen werden üblicherweise jedoch ausgeblendet. Stattdessen wird auf Grundlage der Quantitätstheorie des Geldes behauptet, dass eine Erhöhung der Geldmenge zu einer Erhöhung des Preisniveaus führen würde. Hier ist die Beweiskette:

  1. Geldmenge steigt.


  2. Preisniveau steigt.

Diese Beweiskette ist, wie eindeutig zu erkennen ist, unvollständig. Es fehlt die Vermittlung, der Wirkungskanal. Wer erinnert sich nicht an die 3-Finger-Regel aus der Schulphysik:

  1. Ursache
  2. Vermittlung
  3. Wirkung

Diese Lücke fiel auch Knut Wicksell auf, einem schwedischen Ökonomen. Er versuchte, diese Lücke durch ein dynamisches Modell zu schließen. Ich werde es ein anderes Mal vorstellen. An dieser Stelle möchte ich erstmal festhalten, dass die Quantitätstheorie des Geldes so, wie sie aktuell vorgestellt wurde, gar keine Theorie ist. Warum nicht?

Nach dem Duden ist eine Theorie ein:

„System wissenschaftlich begründeter Aussagen zur Erklärung bestimmter Tatsachen oder Erscheinungen und der ihnen zugrunde liegenden Gesetzlichkeiten“

Die Gleichung von oben ist keine Erklärung bestimmter Tatsachen bezüglich des Geldsystems, sondern eine einfache statistische Formel. Sie beschreibt die Entwicklung der enthaltene Variablen, aber sie liefert keine Erklärung. Ein kurzer Blick auf die Daten aus der realen Welt in Deutschland zeigt zudem, dass der Zusammenhang zwischen Geldmenge und Inflationsrate nicht so eng ist, wie das von der Theorie üblicherweise angegeben wird. Schauen wir uns die unterschiedlichen Geldmengenaggregate an, von denen eines die „Geldmenge“ sein könnte, dann sehen wir, dass die jährlichen Veränderungsraten mit der Inflation nicht korrelieren.

Das Ergebnis dieser Betrachtung der Quantitätstheorie des Geldes muss also lauten, dass sie empirisch widerlegt ist und dass es sich zudem um keine Theorie handelt. Der Wirkungskanal, der von einer Geldmengenveränderung zu einer Preisniveauveränderung führt, wird nicht diskutiert. Dann aber fehlt auch die Erklärung, und somit ist es keine Theorie. Wie bereits oben erwähnt hat Knut Wicksell Ende des 19. Jahrhunderts versucht, die Quantitätstheorie weiterzuentwickeln zu einer echten Theorie. Wer aber die Quantitätstheorie verwendet in Form der oben genannten Formel M*V=P*Y, der muss sich vorwerfen lassen, dass die Theorie noch nicht mal falsch ist – es ist schlicht keine Theorie.